Der Schauspieler und Wir
| Von bd @ 01:24 | [ Glosse ] |
Wir alle kreischen, wenn wir glauben, einen Schauspieler vorgeführt zu bekommen. Selbstbewusst stolziert der Schauspieler an uns vorbei und winkt staatsmännisch den hysterischen Bewunderer (also uns) zu. Er schwelgt über unsere Not, belohnt aber unser Leiden, wiederum schmäht er unser Bestreben, ihm ebenwürdig zu erscheinen.

(Quelle: Laienschauspieler aus http://www.theaterherbst.de)
Charismatische Distanz
Ausgeklügelt distanziert sich der Schauspieler vor uns und profaniert uns als Laien-Schauspieler. Sein Über-Leben, seine Gottähnlichkeit beweist sich dadurch, dass wir niemals seinen Ruhm und seinen sozialen Status erlangen können. Trotzdem sprechen wir uns die Aussicht zu, mit ihm gepaart und harmonierend über dem Leben und über den Menschen meditativ, erhaben und charismatisch zu kauern. Aber er erniedrigt uns zugleich wieder, wenn wir nach Autogrammen oder nach seiner Unterwäsche betteln. Dies schmeichelt und bestätigt unser Held, den Schauspieler. Aus der Distanz mit dem Vulgus spriesst sein Selbstverständnis als letzte Inkarnation die Menschen von ihrem Alltagstrott zu befreien. Und nicht selten, wenn er alle materielle Güter der Erde erworben hat, sehnt sich der Schauspieler nach geistiger Vollkommenheit, die ihm Scientology werbewirksam aufplustert. Er bauscht sich auf und sät sein Charisma aus, welches die Menschen um ihn herum, gebückt und geknickt, ergeben und selten belesen, ernten, damit dieses aufgemöbelte, uns teilhabende Charisma unser Abendmahl - der alltäglichen Nahrung willens - versüsst, ehe die kopflosen Menschen es hastig und überstürzt verspeisen, als wäre nichts dabei gewesen.
Ich bin auch ein Schauspieler
Auch wir schauspielen. Wir spielen mit der Schau, stellen uns zur Schau und schlüpfen in neuartige Masken. Die Mobilität der Rollen erklomm uns schon längstens. Keine Figur dauert ewig an, denn wer überleben möchte, oder die andren überholen will, wechselt seine figurellen Idealen flüssig, elegant, manchmal zur Not opportunistisch aus. Den Schauspieler erbitten wir nur noch um Inspiration. Dankbar und gebauchpinselt hofiert er unsere Fantasielosigkeit und kreiert - mit Absprache seiner Vordenker - klischierte Stereotypen, mit denen wir uns identifizieren können.
Wieso Er und nicht Wir?
Wir fühlen uns ebenso wie unser Vorbild berufen, schauzuspielen. In der Schimäre verfestigen wir unseren Dünkel, dass wir ihn mindestens gleichsam nobel und routiniert ausstechen können. Ergänzend trainieren wir in der aufgesetzten Welt, die Schauspiel und Rollentausch einfordert, unsere schauspielerischen Fertigkeiten an. Wieso dürfen wir also nicht ebenfalls zu den geadelten, glorifizierten, vergötterten und bejubelten Schauspielern übersiedeln? Schliesslich bedienen TV-Formate, die unsere Sehnsüchte erwecken, unsere Gelüsten und formen ein Gelübde aus, welches darauf verbohrt, die unsrige Berufung als Schauspieler einzugestehen und zielsicher anzusteuern. Täglich grüsst uns ein neuer Superstar und eigentlich könnte es glatt jeder sein. Wieso dürfen wir also nicht? Wir schauspielen genau so und können keine Szene hundertmal wiederholen. Deshalb ist unsere Forderung mehr als angemessen: Auch wir wollen als offizielle, anerkannte, bezahlte und beklatschte Schauspieler im täglich wiederkehrenden Theater mitspielen! Gezierter Dank!

(Quelle: Laienschauspieler aus http://www.theaterherbst.de)
Charismatische Distanz
Ausgeklügelt distanziert sich der Schauspieler vor uns und profaniert uns als Laien-Schauspieler. Sein Über-Leben, seine Gottähnlichkeit beweist sich dadurch, dass wir niemals seinen Ruhm und seinen sozialen Status erlangen können. Trotzdem sprechen wir uns die Aussicht zu, mit ihm gepaart und harmonierend über dem Leben und über den Menschen meditativ, erhaben und charismatisch zu kauern. Aber er erniedrigt uns zugleich wieder, wenn wir nach Autogrammen oder nach seiner Unterwäsche betteln. Dies schmeichelt und bestätigt unser Held, den Schauspieler. Aus der Distanz mit dem Vulgus spriesst sein Selbstverständnis als letzte Inkarnation die Menschen von ihrem Alltagstrott zu befreien. Und nicht selten, wenn er alle materielle Güter der Erde erworben hat, sehnt sich der Schauspieler nach geistiger Vollkommenheit, die ihm Scientology werbewirksam aufplustert. Er bauscht sich auf und sät sein Charisma aus, welches die Menschen um ihn herum, gebückt und geknickt, ergeben und selten belesen, ernten, damit dieses aufgemöbelte, uns teilhabende Charisma unser Abendmahl - der alltäglichen Nahrung willens - versüsst, ehe die kopflosen Menschen es hastig und überstürzt verspeisen, als wäre nichts dabei gewesen.
Ich bin auch ein Schauspieler
Auch wir schauspielen. Wir spielen mit der Schau, stellen uns zur Schau und schlüpfen in neuartige Masken. Die Mobilität der Rollen erklomm uns schon längstens. Keine Figur dauert ewig an, denn wer überleben möchte, oder die andren überholen will, wechselt seine figurellen Idealen flüssig, elegant, manchmal zur Not opportunistisch aus. Den Schauspieler erbitten wir nur noch um Inspiration. Dankbar und gebauchpinselt hofiert er unsere Fantasielosigkeit und kreiert - mit Absprache seiner Vordenker - klischierte Stereotypen, mit denen wir uns identifizieren können.
Wieso Er und nicht Wir?
Wir fühlen uns ebenso wie unser Vorbild berufen, schauzuspielen. In der Schimäre verfestigen wir unseren Dünkel, dass wir ihn mindestens gleichsam nobel und routiniert ausstechen können. Ergänzend trainieren wir in der aufgesetzten Welt, die Schauspiel und Rollentausch einfordert, unsere schauspielerischen Fertigkeiten an. Wieso dürfen wir also nicht ebenfalls zu den geadelten, glorifizierten, vergötterten und bejubelten Schauspielern übersiedeln? Schliesslich bedienen TV-Formate, die unsere Sehnsüchte erwecken, unsere Gelüsten und formen ein Gelübde aus, welches darauf verbohrt, die unsrige Berufung als Schauspieler einzugestehen und zielsicher anzusteuern. Täglich grüsst uns ein neuer Superstar und eigentlich könnte es glatt jeder sein. Wieso dürfen wir also nicht? Wir schauspielen genau so und können keine Szene hundertmal wiederholen. Deshalb ist unsere Forderung mehr als angemessen: Auch wir wollen als offizielle, anerkannte, bezahlte und beklatschte Schauspieler im täglich wiederkehrenden Theater mitspielen! Gezierter Dank!


